Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

96 Der Galerist war zudem zweiter Vorsitzender des Veran- staltungskomitees der Steubenparade, die jedes Jahr am dritten Samstag im September auf der New Yorker 5th Avenue stattfindet. Sie gilt als eines der größten Ereignisse im deutsch-amerikanischen Festkalender, denn mit ihr wol- len seit 1957 deutschstämmige Amerikaner die heimatlichen Traditionen aufrechterhalten. Natürlich wurde Reiter zur Pa- rade eingeladen, zu der stets bedeutende deutsche Politiker als Ehrengäste kommen. So lernte Reiter nicht nur den Bun- despräsidenten Richard von Weizsäcker kennen und tanz te mit dessen Frau. War es nun der Tanz oder einfach nur diese weitere Begegnung: Richard von Weizsäcker machte später eine Reiter-Ausstellung in Berlin möglich. Durch das entstandene Netzwerk bekam Reiter den Auftrag, ein Originalplakat für die Steubenparade zu entwerfen. Auf seine manchmal unbedarfte Ar t machte sich Reiter an die Ar- beit. Auf seinem Blatt ließ er Männer in roten Uniformen auf- marschieren. Tatsächlich sind diese in Blau gekleidet. Reiter musste alles neu machen. Heraus kam ein beeindruckendes Plakat mit einem Fahnenaufmarsch vor den Wolkenkratzern der 5th Avenue. Damit erzielte Reiter weltweite Wirkung und nicht genug: Der damalige Präsident Ronald Reagan erhielt gar eine Reiter-Vorzugsausgabe mit Original, zwei Lithografi- en und einem Buch als Geschenk. Rudolf L. Reiter mit dem 1984 verstorbenen U.S.-Künstler Nahum Tschacbasow an einer Leinwand im New Yorker Ate- lier von N. Tschacbasow Andy Warhol Wer in den 1980ern als Künstler in New York unterwegs war, stieß zwangläufig auf das Phänomen Andy Warhol. Reiter konnte bis zu jener Zeit weder mit dem Menschen noch mit dessen Kunst viel anfangen: Warhols Auftreten hielt er für affektier t, die Arbeiten für überschätz t. Mit Farbverschiebun- gen hatten Reiter und seine Freunde schon mit 18 Jahren in Deutschland experimentier t – und die Ergebnisse in den Pa- pierkorb geworfen. In den USA fand die Pop Ar t derweil in die Galerien und Museen. 1981 lernte Reiter den Fotografen Christopher Makos ken- nen, der damals mit Warhol in dessen „Factory“ zusammenar- beitete. Makos war sehr angetan von den realistischen Gemäl- den des Künstlers aus Deutschland. Ihm gefiel die Darstellung der Frauen, „als seien sie ein letz tes Mal aus dem Schatten ans

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