Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
93 Erlebnisse wie das plötzliche Verschwinden der Torfpyramide oder sich in Luft auflösende Projekte haben ihre Wunden und Narben auf der Seele des Künstlers und Menschen Rudolf L. Reiter hinterlassen. Dennoch: Gerade die Begegnungen mit anderen Menschen haben ihn geprägt, brachten häufig eins zum anderen und fügten die Dinge für den an sich schüchter- nen und zurückgezogenen Künstler. Der zog zwar „das stille Kämmerlein“ der großen Welt vor und kam trotzdem mit sei- ner Arbeit und seiner Kunst nach Paris, New York, Tokio und nicht zuletz t nach Norwegen. Spricht man mit Reiter, fallen dem Künstler immer wieder sol- che schicksalshaften Begegnungen und seltsamen Zufälle ein – zum Beispiel die Geschichte mit der „Wir tschaft“ in Haar. Eine Bekannte musste sich wegen Alkoholproblemen in der im Münchner Stadtteil ansässigen psychiatrischen Klinik be- handeln lassen. Dor t besuchte sie Reiter mehrfach. Eines Ta- ges musste er war ten und ging deshalb in ein Gasthaus, eben bayerisch „eine Wir tschaft“. Dor t saß er dann vor seinem Bier und spielte mit einem Bierdeckel oder „Bierfilzl“. Plötz- lich entdeckte er, dass jemand etwas darauf geschrieben hat- te: „Liebe Grüße aus Hamarøy“… Hamarøy war der Wohnor t des norwegischen Schriftstellers Knut Hamsun, den Reiter zutiefst verehr t. Wie groß muss also ein Zufall sein, dass ausgerechnet ihm der Bierdeckel mit den Grüßen aus Hamarøy in die Hände fällt? Damit längst nicht genug… Eines Tages befand sich Reiter an der Bar des legendären Chelsea Hotels in New York. Das Ho- tel ist berühmt für sein früheres Künstlerflair : Hier wohnten, arbeiteten und tranken zahlreiche Maler, Schriftsteller und Musiker und bezahlten, wie Reiter selbst, in ihrer Armut oft mehr mit „Naturalien“ = Kunst als mit har ten Dollars. Reiter aber saß dor t, weil er einen Journalisten für ein Interview treffen sollte. Irgendwann setz te sich eine hübsche blonde Frau neben ihn. Reiter hätte sie gern angesprochen, doch fehl- ten ihm die Fremdsprachenkenntnisse. Also schwieg er. Da versuchte die Frau, mit Reiter ins Gespräch zu kommen und Liebe Grüße aus HamarØy IV. Begegnungen Liebe Grüße aus HamarØy
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