Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

91 Reiter dachte nach und tönte dann: „Ich brauche einen Torna- do!“ Schon der Name kam und kommt ihm aggressiv vor… Er beabsichtigte, den Düsenjäger künstlerisch zu gestalten und damit historische Kriegsschauplätze von Deutschland bis in die Normandie aufzusuchen, beispielsweise den Teutoburger Wald. Dazu wollte der Künstler einen Tornado, der nach sei- ner Bearbeitung kaputt, „ganz morbid bis verwest“ und über- haupt so ausschauen sollte, als hätte er 1000 Jahre unter der Erde gelegen. Reiter schilder te sein Konzept vor Or t Oberst Richard Drexl, der sich gegenüber der Aktion aufgeschlossen gab. Der Tornado stand da, aber drei Wochen nach der Verab- schiedung zwischen den Männern kam die Rückmeldung: Das Ver teidigungsministerium würde die Aktion nicht zulassen. Da half nicht einmal ein persönliches Anschreiben des früheren Kunstministers Julian Nida-Rümelin an Ver teidigungsminister Peter Struck. Reiter war neuerlich enttäuscht und fühlte sich hintergangen. Sechs Jahre später fand Reiters Idee dennoch zur Umsetzung, wenngleich nicht mit einem echten Kampfflugzeug. Bei Eining installier te er 2010 „Flugobjekte – Pax Vobiscum“. Der Dü- senjäger ist nachgebaut, der Absturz nachgestellt. Alu-Platten aus der Druckerei über einem Holzgestell wurden „auf alt getrimmt“. Neben dem „Düsenjäger“ befand sich ein Koffer mit Landkar te, Kompass, Brille und einem Foto einer Frau mit Kindern. Scheinbar war hier ein Flugzeug zerborsten, und der Koffer schuf eine Verbindung zum abgestürz ten Piloten und seiner Familie. Die Aktion begeister te und machte gleichzeitig nachdenklich. Eines Tages gab es dann neben dem Flugzeug ein kleines Grab mit Kreuz und der Inschrift „Für den gefalle- nen Soldaten“… „Pax Vobiscum“ ist perfekte Illusion, weil nichts an der Groß- plastik oder Installation „echt“ ist. Das Flugzeug ist – „neu- deutsch“ – ein Fake, die Dinge daneben keineswegs die Hab- seligkeiten eines Piloten. Ein Absturz hat nie stattgefunden. Doch entstehen genau diese Assoziationen im Kopf des Be- trachters, wo sich eine Geschichte entwickelt, die umso inten- siver wirkt, wenn dieser um den Or t weiß. R. L. Reiter bei der Ortsbe- sichtigung am Militärf lughafen Erding

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