Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

89 Rudolf L. Reiter „Zeit der Wiederkehr - Erde“ Olympiapark, München, 1995 zen und vergehen. Das war einkalkulier t, und das war auch der „Plan“: Die Torfpyramide sollte ein „sichtbares Zeichen des Verfalls“ darstellen. In melancholischen Tagträumen stellte der Künstler sich vor, dass seine Tochter ihn in zwanzig oder dreißig Jahren im Roll- stuhl zu der verfallenen Pyramide fahren würde. Dann würde er in die Reste dieses „Verwesungsaktes“ greifen, eine Hand- voll der Überreste mitnehmen und zu Hause in einem Glas „wie eine Reliquie“ aufbewahren. Soweit die Fantasie… „Plötzlich“ erhielt Reiter einen Anruf von einem Freund, dem Bildhauer Toni Schaller, der sich ebenfalls mit Land Ar t be- schäftigt. Schaller erklär te Reiter, dass die Pyramide nicht mehr da sei. Das konnte Reiter kaum glauben und fuhr sofor t an ihren Aufstellungsor t. Tatsächlich war nichts mehr da, nicht einmal das Fundament. Diese mögliche Nacht- und Nebelak- tion kränkte den Künstler sehr, der die wahren Hintergründe bis heute nicht kennt. Lag es am Verfall? Verfall war doch ge- rade der Sinn der Kunstaktion. Reiter bedauer te zudem, dass ihm sein Kunstwerk einfach geraubt worden war. Mit dem hät- te er auf die eine oder andere Weise weiterarbeiten können. Aber es war „kein Bröserl“ mehr da, alles „liquidier t“: „Der Weg der Metamorphose war ihm nicht vergönnt.“

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