Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
87 Da die Kunst und Kunstwerke von „Zeit der Wiederkehr“ und dem „Redux“-Wiederaufgriff mit den Elementen und der Na- tur interagieren, ordnet Rudolf L. Reiter sie der Land Ar t zu. Anlässlich der Kunstaktion am 21. Juni 2016 zählt der Künstler seine Land Ar t-Projekte in einer Presseinformation auf: Am Anfang steht 1984 „Lichtfelder“ auf einem Rollfeld des Flugha- fens München-Riem. 1986 folgt „Bis unsere Leben wieder eins sind“ im Skulpturenpark von Bad Homburg. „Zeit der Wie- derkehr“ nennt er 1994 den Bau einer Torfpyramide im Er- dinger Moos, bevor er die gleichnamige Elemente-Serie „Zeit der Wiederkehr“ 1995 beginnt. Diese zieht sich bis 2006 hin. Im Römer-Kastell „Abusina“ bei Eining kommt es zwischen- zeitlich 2003 zu einer weiteren Aktion, „Check Point Ar t“. „Wannenkunst (Erste Wanne – letz te Wanne)“ spielt sich 2007 im Kurpark von Bad Gögging ab. 2010 präsentier t Reiter schließlich „Flugobjekte – Pax Vobiscum“ an einem Weinberg zwischen Eining und Neustadt an der Donau, bevor er 2016 den neuen „Zeit der Wiederkehr – Redux“-Zyklus beginnt. Bei vielen dieser Aktionen handelt es nicht um Land Ar t im klassischen Sinn, sondern eher um Kunst-Installationen in der Landschaft. Gleichwohl sind es keine Open Air-Ausstellungen, sondern bewusste Zwiesprache, sogar Interaktion von Kunst- werk und Umgebung. Als Kunstströmung entsteht die Land Ar t Ende der 1960er Jahre in den USA und erhält ihre erste Bezeichnung „Ear th Works“ 1968 in New York, die in Deutschland gängige Bezeichnung „Land Ar t“ 1969. International spricht man mittlerweile im englischsprachigen Raum von „Ear th ar t“, „ear thworks“ oder „Land ar t“. Die Künstler der späten 1960er Jahre stellten sich eher gegen eine Klassifizierung. Wie später Rudolf L. Reiter arbeiteten sie parallel in verschiedenen Kunstrichtungen. In der Land Ar t wird geografischer Raum in ein Kunstwerk, oft in architektonischer Form, umgewandelt. Der Begriff „Land Ar t“ ist heutzutage problematisch, da er meist undifferen- zier t auf jegliche Form von Kunst in der Landschaft angewen- det wird. Gleichzeitig spielt – wie bei Rudolf L. Reiter – der Einfluss der Natur auf die Kunstwerke eine größere Rolle. „Zeit der Wiederkehr – Redux“ entspricht eher dieser neue- ren, erweiter ten Vorstellung von Land Ar t. Ihren ganz eigenen Zugang zur Land Ar t findet Rudolf L. Reiters Torfpyramide, bei welcher der Begriff „ear thwork“ noch viel besser greift. Zu seinem 50. Gebur tstag wollte Reiter etwas Besonderes machen. Als er bei einem Stein-Künstler eine kleine Pyramide entdeckte, kam ihm die Idee zur eigenen Pyramide. Die soll- te aus Torf – für den Künstler Sinnbild der Metamorphose
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