Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

85 Neun Monate später hat er nun die Leinwände wieder ausgegraben - oder vielmehr was davon noch übrig war: weiße Krümel im braunen Ackerboden. Die Leinwände waren zerfallen. Etwas überrascht war Rei- ter schon. Er hatte gedacht, die Leinwände würden im großen Ganzen erhalten bleiben, zwar nicht mehr blütenrein weiß, sondern schön er- dig. Die Zeichen der Natur wollte er malerisch ergänzen. Dass es an- ders gekommen ist, macht aber gar nichts. Reiter hatte sofort eine neue Idee. Die zersetzten Leinwandkrümel kommen nun in ein Beet und dann wächst da eben Kunst raus. Passt doch eh super zu Reiters Ausstellung „Quelle und Schöpfung“ im Erdinger Frauenkircherl. Hier steht im Titel auch die Frage, was kommt von sich aus, auf natürlichem Weg, und was wird erzeugt, von höheren Kräften oder dem Menschen als Künstler. Das alles beschäftigt Rudolf L. Reiter schon seit vielen Jahren: Das Entstehen und Vergehen und vor al- lem die Übergänge dazwischen, die Metamorphosen von einem in einen ganz und gar anderen Zustand. In der Ausstellung gibt es wie immer sehr schöne Ergebnisse seiner künstlerischen Auseinandersetzung zu sehen. Nicht etwa irgendwelche Brösel, sondern fein ausgearbeitete Ölgemälde, die impressionistisch ausgehauchte, fantastische Landschaften des Garten Eden zeigen. Da- neben gibt es aber natürlich auch wieder Reiters richtig kraftvolle, ganz abstrakte Bildtafeln, auf denen dick aufgetragene Ölfarben scheinbar chaotisch ineinander fließen. Florian Tempel, SZ Total geerdet - Rudolf L. Reiter spürte dem Entstehen und vergehen nach Heimaterde, Quelle und Schöpfung - Erde - Multiples 1/15

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYwNjk=