Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
80 Reiter versenkt die Leinwände im Schlund des Vulkans. Kunstaktion „Art Autobahn“ R. L. Reiter „Genesis - Luft“ R. L. Reiter „Genesis - Wasser“ Miami ist für ihn Ausdruck des Göttlichen. Immer wieder bezieht er sie mit äußerster Bewusstheit in sein Werk ein – vermes- sen auf der einen, ganz bescheiden auf der anderen Seite. So sieht er das selbst, vor allem wenn es um „Die vier Stufen der Genesis“ bzw. „Zeit der Wiederkehr“ geht. In diesem Zyklus, der um die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer kreist, setz t er die Malflächen der Natur aus, lässt sie daran arbei- ten. Auch die Elemente schlagen Wunden in die Leinwand, so wie Reiter sie im Schaffensprozess stellenweise bei manchen informellen Kunstwerken weggebrannt hat. Als er im Sommer 2006 drei Bilder im isländischen Vulkan Eyjafjallajökull platzier te, konnte er nicht wissen, dass ihm der zunächst fast zu brave Vulkan, der für ihn das Element Feuer verkörpern sollte, diesen Teil des Werkzyklus nehmen würde. Statt nur seine schwefelätzenden oder funkensprü- henden Spuren zu hinterlassen, brach der Vulkan aus und mit aller Macht über Reiters Leinwände her. Da konnten selbst die Geologen, die das Geschehen zu beobachten versprochen hatten, nichts mehr retten. Zu Asche verbrannt und über die ganze Welt ver teilt mögen die winzigen Spuren der Kunst- werke sogar im Erdinger Moos niedergegangen sein, sinnier t der Künstler, und damit wurden sie für ihn in den ewigen Zy- klus rückgeführ t. Wieder eine Wunde mehr…? Als die in einem Hopfengar ten in der Haller tau dem Element Luft preisgegebenen Bilder von Randalierern beschädigt, schließlich ganz gestohlen wurden, ersetz te sie der Künstler durch neue. Er war an einem Punkt angelangt, wo er dem Geschehen mit Gleichmut begegnete. Lapidar sagt er : „Das ist das Karma dieses Kunstwerkes.“ Nicht immer sind ihm und den Kunstwerken Schicksalhaftes widerfahren. Die Empfindungen sind dennoch tief und für
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