Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

79 Wunde behandelt das Thema des Todes in eindringlicher Wei- se. Die Aufforderung des Titels führ t den Betrachtenden ih- ren verwundbaren Punkt, die Endlichkeit ihrer Existenz, vor Augen.“ 10 Obwohl das Environment modernes Memento mori ist, indem es den Betrachter mit seiner Vergänglichkeit konfrontier t, wollte Beuys gleichzeitig, dass dieser durch die Offenlegung der Vergänglichkeit als tiefste Verwundung des Menschen Heilung erfähr t. Heilung ist einer der zentralen Ge- danken in Beuys‘ vom Schamanentum geprägter Philosophie. Wunden zeichnen das Leben eines Menschen aus, so sehr, dass er sie dennoch eher verbirgt denn zeigt. Rudolf L. Reiter ist ja einer dieser Gezeichneten. Als verwundbarer Mensch antwor tet er mit Rückzug – in die Wohnung, ins Atelier oder in die Natur. Zahllose Spaziergänge haben ihn über Jahrzehn- te hinweg ins Erdinger Moos geführ t, das ihn stets aufs Neue bewegt. Als Künstler geht er daraus mehr als nur gestärkt hervor. Dass Künstler ihre Verwundungen in Kunst umsetzen, ist ein bekanntes Phänomen. Auch Reiter sagt, dass Kunst Kraft und Energie freimache – selbst noch im Angesicht des Todes. Reiters Beziehung zur Natur ist vielschichtig, denn die Natur Rudolf L. Reiter „Erste Wanne, letzte Wanne“ Öl auf Leinwand 1000 x 580 cm, 2008 Aktion Wannenkunst Kurpark Bad Gögging

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