Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

72 Reiters Herz schlug nach vielen Jahren der Beschäftigung mit der Romantischen Moderne für eine weitere, ganz andere Richtung. Mit dem neuen Stil, der Hinwendung zum Informel, erntete er jedoch Unverständnis. Viele fragten sich, warum jemand, der genial Landschaften und Figuren malen und da- mit Geschichten erzählen konnte, sich plötzlich expressiven „abstrakten“ Werken widmete. Stiltreue war gefragt, nicht Variabilität. Reiters amerikanisches Publikum verstand die Sa- che mit den zwei Stilen ebenso wenig. Für sie gab es nur ein Entweder/Oder. 20, 25 Jahre ist es nun her, dass sich Reiter in seinem Schaffen gefestigt fühlte. Intensität und Glaubwürdigkeit stimmten für ihn selbst und wahrscheinlich damit einhergehend das Gefühl, als Künstler am richtigen Platz zu sein. „Ohne das gäb‘s mich gar nicht mehr“, glaubt ein recht nachdenklicher Rudolf L. Reiter. Begeister t äußer t sich der Maler daher über Gerhard Richter. Der hätte künstlerische Vielseitigkeit durchgesetz t und der Stiltreue eine Absage er teilt. Sogar dessen „Strichcodes“, of- fiziell als „Strips“ bezeichnet, werden hingenommen, wenn- gleich nur bedingt verstanden. Damit werden aber auch bei anderen Künstlern die verschiedensten Auftritte akzeptier t. (Richters „Strips“ sind m.E. vielleicht die konsequenteste Wei- terentwicklung von Richters eigenem informellen Kunstschaf- fen und dem Informel allgemein, die gegenwär tig möglich ist!) Richter ist ein gutes Stichwor t, wenn es um Reiter geht. Be- trachtet man das Werk Richters, insbesondere dessen Ausein- andersetzung mit dem Informel, dem sich der 1932 Geborene und später aus der DDR Geflohene widmete, wirkt Reiters informeller Stil bei verschiedenen Werken geradezu epigo- nenhaft. Doch letz tlich haben hier zwei zu spät am richtigen Or t Befindliche dasselbe Medium für sich entdeckt. Reiters informelles Schaffen ist gleichwohl von Richter beeinflusst. Richter hatte in der DDR ähnlich Reiter in Bayern unter den Einschränkungen seines Umfeldes zu leiden. Denn letz tlich fand auch Richter erst spät zum Informel. Anders als der Au- todidakt Reiter begann Richter frisch in West-Deutschland Endlich Informel

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