Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
69 Suche nach Anerkennung Nach dem Wunsch des Vaters erlernte Reiter den „Schwei- zer Degen“. Zwar sieht er die künstlerischen Interessen des Sohnes, doch ihm ist es wichtig, einen Nachfolger für seine kleine Druckerei heranzuziehen. Kunst passt da nicht hinein und schon gar kein junger „Gammler“ mit langen Haaren. Oft genug bekam Reiter zu hören, aus ihm werde nie etwas, und das tat weh. Dass der Vater den ersten regionalen Kunst-Er- folg nicht mehr erlebte, schmerz t Reiter noch heute. Auch den Nachbarn galt der junge Reiter als Langhaariger, Querulant und Sonderling, der zu Hause sitz t und nichts tut. In der Spätpuber tät wusste er nicht, wie er junge Frauen an- sprechen sollte. Überhaupt hatte er wenig Erfolg beim ande- ren Geschlecht. Verkannt und oftmals verwundet zog sich der schüchtern-sensible Jugendliche zumeist ins stille Kämmerlein zurück. Dor t hatte er längst seine ersten Malversuche unter- nommen. Beim Malen merkte er, dass ihm das in der Seele gut tat. Depressionen verflogen. Ohne Lehrer waren die Ex- perimente zögerlich. Bereits damals „pantschte“ Reiter und schüttete Farbe auf den Malgrund. Was er da machte, wusste er nicht. Er kannte nichts, schon gar nichts Vergleichbares, weil er nicht aus Erding herauskam.
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