Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

260 hen, Reiter stehen die Haare zu Berge, als plötzlich die Bilder wieder aus der Tiefe auftauchen. Der Grund: Zwischen den zum Kunst-Sandwich verschnür ten informellen Werken ha- ben sich Luftkissen gebildet. Man hat ein Floß gebaut und ver- sucht es zu versenken. Neptun haßt Sandwiches. Auch dieses spuckt er aus. Für Reiter ein Menetekel. Die Anspannung der vergangenen Tage löst sich auf im Weinkrampf. NBC mit der Kamera drauf. Auslöser klicken, Tonbänder laufen. „Ich war am Ende und habe mir nur gedacht: Die Bilder Wollen wieder heraus aus dem Meer. Und: Ich habe zuviel herausgeforder t.“ Während das Schiff gewendet wurde und die Crew nun eine Boje setzt, starr t Reiter auf die gespenstische Szene: „Zusätz- lich beschwer t, tauchten sie unter und kamen dann wieder langsam herauf. Es war wie ein Todeskampf.“ Das Karma, so meint er später, hat es anders bestimmt. „Wie bei der Aktion Erde im Olympiapark habe ich etwas herausgeforder t, das ich nicht herausfordern durfte.“ Der Künstler ist traurig und ver- zweifelt. Er will aufgeben. Abbruch der Aktion. Taucher raus, Bilder bergen. Reiter glaubt „die Schlacht verloren“. Freunde und Crew richten ihn wieder auf. Zurück an Land, will es die Schiffsbesatzung wissen. Sandwich öffnen. Holzstangen wegs- ägen, die Bilder Gesicht an Gesicht legen. Hinaus aufs Meer. Bilder schlicht versenkt, Neptun liebt Kunst. Er muß Samm- ler sein. Abends herrscht wieder eitel Sonnenschein. Jeder hat seinen Frieden. Reiter erst, als er noch einmal mit dem Boot zu der Stelle gebracht wird, an der seine Bilder auf dem Boden liegen. Das Meer wird an ihnen arbeiten und das Er- gebnis dieses natürlich-künstlerischen Prozesses im Jahr 2000 nach Hebung der Werke sichtbar werden. Ganz unter dem Eindruck aller Aufregungen des Tages bringt Reiter zu Papier, das alles habe ihm „Grenzen aufgezeigt“. Andererseits glaubt er, daß just so Bilder entstehen. „In Leid, Trauer, Schmerz, aber auch mit Himmelhochjauchzen.“ An diesem Abend will er nie wieder „auf diese Weise manipulieren“, hat den ab-

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