Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

254 Museum of Modern Ar ts. Der Künstler war von den gebote- nen Ausstellungen so begeister t, daß er spontan förderndes Mitglied des weltberühmten Kunstvereines wurde, der dem Museum angehör t. Daneben gelang es Reiter mit einer inter- essanten Persönlichkeit aus der New Yorker Szene in Kontakt zu kommen: Manfred L. Kreiner. Der Exil-Österreicher, Jour- nalist, Werbemann und Exper te für spektakuläre Aktionen - er hat unter anderem die Lizenz für die Deutschlandausgabe des Playboy über den großen Teich gebracht - will Reiter künftig unter die Arme greifen. Kreiner: „Mir gefällt es, was Sie machen. Geben Sie mir bis zum Frühjahr Zeit, um geeigne- te Maßnahmen zu überlegen, die Ihnen in den USA nützen werden.“ Neben allen ernsthaften Bemühungen, den Ameri- kanern Kunst aus Erding vorzuführen, ereigneten sich auch ei- nige eher humoristische Einlagen. Rudolf L. Reiters gestör tes Verhältnis zur englischen Sprache war mehr als einmal Grund zu unfreiwilliger Verwicklung. Beispielsweise als der sensible Maler auf Noch-Präsident Jimmy Car ter war tete. Car ter soll- te eine Woche vor der Wahl New Yorks Chinatown besu- chen. Um das Ereignis als Zaungast verfolgen zu können, stell- te sich Rudolf L. Reiter in den Pulk der harrenden Chinesen. Plötzlich trat ein Beamter des Secret Service mit aufgeschlos- sener Miene auf ihn zu. Leutselig fragte der Geheimagent, ob der gestreßte Weltreisende - er sah übermüdet aus - etwa nervös sei. Nein, antwor tete Reiter, in vermeintlich korrek- tem Englisch, „I am German“. Ich bin Deutscher. Der Präsi- dentenbeschützer fühlte sich auf den Arm genommen und war erst nach genauer Information über Reiters Sprachkennt- nisse wieder zu beruhigen. Auf dem Flohmarkt in der Lexing- ton Avenue behinder ten Reiters mangelnde Fer tigkeiten der fremden Zunge dagegen nicht den Drang, Geld auszugeben. Er erstand innerhalb eines halben Tages und ohne fremde Hil- fe beachtliche Stücke. Die Kontakte unter und zwischen Man- hattans Wolkenkratzern sollten nicht die einzigen bleiben. Ru- dolf L. Reiter flog auch nach Montreal und Toronto, beides in Canada. Über gemeinsame Freunde kannte er die in Montreal lebende Künstlerin Margit Stutz. Zusammen mit ihrem Freund Freddy Jaggi, einem Basler Graphiker, der sich die erfolgreichs- te Werbeagentur von Montreal aufgebaut hat, gelang Reiter der Zutritt zu den ersten Adressen der Quebecer Kunstsze- ne. Besonders interessier t an Reiters Bildern zeigte man sich im Museum der Olympiastadt von 1976 und in der größten Galerie, genannt Domimion. Ihr Besitzer, Dr. Max Stern, stammt aus einer alten Düsseldorfer Kunsthändler-Familie und konnte den Nazis gerade noch rechtzeitig entwischen, um sich im sicheren Ausland eine noch sicherere Existenz auf- zubauen. Heute zählt er zu den führenden kanadischen Kunstexper ten und ist beispielsweise einer der engsten Freun- de des Bildhauers Henry Moore. In Toronto, der - im Gegen- Kar Gallery, Toronto, 1983 Ausstellung R. L. Reiter, Hamsun Zyklus

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