Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
248 Reiter und die New Yorker Kunstszene – Ausstellungen und Atelier in der Gallery Art 54, Soho NEW YORK/MONTREAL/TORONTO - Der Blick von der Terrasse offenbar t die ganze Schönheit des Central Parks, New Yorks grüner Lunge. Der See, Wald und Wiesen, ein Gewirr von Wegen - und dahin die Stadtlandschaft par excel- lence. Die ganze Welt auf einem steinigen Haufen. Für den Hausherrn eine „Metapher für alles, was falsch ist an unserer Kultur“. Trotzdem schwankt er selber zwischen Zuneigung und Haß gegenüber dieser liebenswer t abstoßenden Megalo- polis. Und genießt ebenfalls den Blick von seiner Penthouse- Wohnung, weil er nirgendwo anders leben möchte. Teuer ge- nug ist es ja, hier in der vornehmsten Ecke des weltoffenen Einfallstors in die USA. Jackie Onassis, verwitwete Kennedy, lebt nebenan. Und dazu viele Schauspieler, Politikgrößen, Dichter und Denker. Wer sich die Fifth Avenue leisten kann, der ist bestens aufgehoben. So auch der Gasteber im rot und schwarz karier ten US-Standard-Hemd, mit Jeans und alten, ausgelatschten Turnschuhen. Der ganze Typ ein einziger Wi- derspruch, weil zu alledem sein Chauffeur mit dem Rolls‘ Roy- ce vor der Tür war tet. Woody Allen! Der größte lebende Ko- miker, talentier t als Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzent. Eine unglaubliche Erscheinung, wenn man ihn plötzlich vor sich hat. Niemand konnte ihn bislang besser cha- rakterisieren als der Spiegel: „Er sieht aus, als könne jede Flie- ge ihm etwas zuleide tun. Klein, schmächtig mit rostrot-schüt- teren Haaren und altmodischer schwarzer Hornbrille verkörper t er in idealer Weise jenen Menschentyp, der im Leben immer rechts vom Komma steht.“ Da standen sie sich gegenüber: Rudi und Woody. Rudolf L. Reiter war, auf ver- schlungenen Wegen, aber immerhin, zu Woody Allen gekom- men. Der „Chaplin für unsere Zeit“ (Peter Zadek) und der Maler aus dem fernen Erding sprachen, soweit es sich dolmet- schen ließ, über Kunst und Erfolg. Auch über Ideen. „Meine meisten Ideen haben eine religiöse Natur“, sagte Woody Al- len. „Sie haben mit dem Sinn des Lebens zu tun und dem nich- tigen Versuch, durch Kunst Unsterblichkeit zu erreichen.“ Der hyperneurotische Intellektuelle hat es schon fast geschafft, während .der andere, ähnlich schwierige Künstler, schon des- halb, nach Amerika flog, um den Anschluß zu kriegen. Woody Allen tat das Seine dazu und liefer te die Widmung für eine Begegnung mit Woody Allen
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