Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
244 sich aber auch stärker bemühen, als er anfänglich vermutet hatte. Gleich am ersten Tag wurde dem Erdinger eröffnet, daß er es sei, der die neun Farben auf die Druckstücke brin- gen würde. Also saß er drei Tage darüber, bis Hell- und Dun- kelblau, Hell- und Dunkelgrün, Ocker, Braun, Gelb, Orange und Schwarz über tragen waren. Eine vorher gefer tigte Plas- tikfolie, die jeden Ton andeutungsweise enthielt, konnte nur als Wegweiser dienen. Reiter sah sich mit der Schwierigkeit konfrontier t. daß einfache Striche auf den Druckstöcken sehr har t kommen. Deswegen mußte er vieles abschwächen. Ste- tes Vorausdenken war unerläßlich, damit später auch die ge- wünschte Farbe entstehen konnte. Einzeln wurden sie nach den er forderlichen Korrekturen gedruckt. Das erledigte eine 150 Jahre alte Maschine. Jedes Blatt mußte dabei von Hand eingelegt und eingepaßt werden. Reiter zum Vorgang: „Sogar während des Druckens waren noch Veränderungen möglich. Dabei ist dann eigentlich ein neues Original aus der Maschine entstanden.“ Reiter signier te die Gesamtauflage bereits in der Pariser Druckerei und schaffte sie persönlich zum Münchner Verlag. 15 Sonderblätter, sogenannte Erstandrucke, durfte er behalten. Sie werden demnächst in Erding angeboten. Das war beileibe nicht die gesamte Paris-Ausbeute. Angesichts des seltenen Erlebnisses einer Auslandsreise schöpfte Reiter aus dem vollen. Er sammelte viele Eindrücke in der leichtlebigen, vielschichtigen Weltstadt, spazier te zu Touristenzielen wie durch die charakteristischen Altbauvier tel und sog ihren Flair
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