Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
243 Mit Rodriguez Verreiza (re.) arbeitete Reiter in dessen Atelier im Pariser Schlacht- hausviertel. verkannte Spezialist für beeindruckende Impressionen konnte in diesen eineinhalb Pariser Wochen viel dazulernen. Das ging schon los bei der Sprache. Reiter, keiner außerbayerischen Zunge mächtig, prägte sich ein freundliches Bonjour ein. Die dazugehörige Unterscheidung zwischen Madame und Monsi- eur war ihm danach ein leichtes. Erstaunlich einfach ergab sich der Kontakt zu den Berufskollegen des früheren Druckers. Durch gegenseitiges Radebrechen und Fachausdrücke, die in allen Sprachen ähnlich klingen, kamen Reiter und die Gast- geber über die Runden. Wo Wor te nichts mehr halfen, da exerzier te der Lithograph, in Frankreich Chromist geheißen, den technischen Ablauf vor. Und dann war da noch die Male- rin Varvara de Gzell, ein langhaariges, gazellenar tiges Wesen. Eine in Mallorca und Paris Iebende, aus England stammende und von einem Deutschen geschiedene Künstlerin. Sie konnte auch weiterhelfen und Reiter mit weiteren Standesgefähr ten bekannt machen. Auf diese Weise entwickelte sich ein flot- ter Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Die Pariser Künstler scheinen vom har ten Konkurrenzdenken, wie es an der Sempt gepflegt wird, unbeeinflußt zu sein. Sie wiesen den Deutschen von sich aus auf Galerien hin, ja fuhren persönlich mit, wenn er versprach, um Ausstellungsmöglichkeiten zu eruieren. Rei- ter revanchier te sich mit Einladungen, zum Beispiel für den Erdinger Wintersalon. Viele Eindrücke Am Rande der zumeist fruchtbaren Diskussion durfte er für seine Bilder auch zahlreiche Komplimente kassieren. Alain Au- gustinie, der alte Hase im Lithogeschäft, zu den ENN: „Ich werde mir selbst eine dieser Mooslandschaften aufhängen, weil sie mir ausgezeichnet gefällt. Ich mag diese weiche Ar t.“ Reiter auf dem Höhepunkt des Anerkennungstrips: „Eine Sternstunde, die mein Leben ändern wird.“ Darum mußte er
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