Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
233 Morgens geht der erste Blick nach draußen: die Sonne scheint. Also, nichts wie zurück nach Rügen. Gleich nach dem Früh- stück brechen wir auf. Als wir über den Rügen-Damm fahren, kommt Hochstimmung auf: Insel, Du hast uns wieder. Jetz t erst merkt man so richtig den Unterschied zwischen der schönen, weiten Natur der Insel und der Enge und Hässlichkeit der Städte. In Sellin angekommen geht es gleich an den Strand. Rudi spendier t einen Campari und so kann das Sonnenbaden denn so richtig losgehen. Es wird nur unterbrochen durch ein ausgiebiges Fischmahl in der Mittagzeit in einer nahgelegenen Gaststätte. Ansonsten heißt es: Seele baumeln lassen, Musik aus dem Walkman, im Hintergrund rauscht das Meer. Herr- lich! Die Herrlichkeit endet dann auf der Rückfahr t. 8 km vor dem Rügen-Damm: stehender Verkehr. Nichts geht mehr. Wir fahren zurück in den nächsten Or t, setzen uns in ein Gasthaus. Dor t rät man uns, eine Ausweichstrecke zu fahren. Wir war- ten eine Stunde, versuchen es noch einmal auf der Hauptstre- cke. Fehlanzeige! Also zurück und über die Ausweichroute. Eine herrliche Baum-Allee, wie überall auf Rügen. Die Straße selber geht, sodaß wir schnell voran kommen. Dann - kurz vor dem Ziel - plötzlich eine Autoschlange. Wir richten uns seelisch schon auf eine lange War tezeit ein, aber dann geht es plötzlich doch rasch weiter. In Greifswald angekommen, wollen wir nur noch schnell etwas essen und dann zurück ins Hotel. So fahren wir nochmal in die „Eiche“. Morgen geht es weiter nach Rostock. Aber erst wollen wir noch versuchen, Kontakt mit dem Kulturamt und dem Museum in Greifswald aufzunehmen. Montag, den 16.September 1991 Nach dem Auschecken im Hotel fahren wir in die Stadt. Wir suchen das Rathaus auf und fragen nach dem Kulturamt. Das ist ein paar Straßen weiter. Die Leiterin, Frau Lesch, ist nicht da, aber ihr Ver treter, Dr. Kuschnia, steht uns für ein Gespräch zur Verfügung. Ein lockerer, offener Typ, mit dem man ohne Probleme klar kommen kann. Wir berichten über Ziel und Zweck unserer Reise und über unser Interesse an einer Aus- stellung der Arbeiten Rudis in Greifswald. Kuschnia ist von den Arbeiten Rudis im Katalog sehr angetan, sieht gute Möglich- keiten. Er ruft den Direktor des Museums, Herrn Lewandow- ski, an. Das Museum ist heute geschlossen, was wir schon mit Bedauern bei unserem Eintreffen in Greifswald vernommen haben. Aber Herr Lewandowski erklär t sich bereit, uns zu empfangen und so brechen wir rasch wieder auf. Das Museum selber, in einem ehemaligen Kloster untergebracht, empfängt uns in einer faszinierenden Atmosphäre. Herr Lewandowski, ein ruhiger, sympatischer Mann, erklär t sich - nachdem wir
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