Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
230 kirche. Man tritt ein und fühlt sich in ein anderes Jahrhunder t versetz t. Draußen ein Grabstein des königlich-preußischen Majors von Schultz, alte Reetdach-Häuser und uralte Bäume. In Schaprode fähr t uns der Kutter nach Hiddensee gerade vor der Nase weg. Wir beschließen, eine Pause in der nahe- gelegenen Hafenkneipe einzulegen. Eine rustikal-nostalgische Stimmung umfängt uns. Kühles Bier, dazu Seehecht, Spiegelei- er und köstliche Bratkar toffeln wie bei Großmutter. Alles vom Feinsten, wie Rudi sagen würde. Um 13.15 dann Aufbruch mit dem Schiff nach Vitte. An Fischernetzen vorbei geht es der Insel entgegen. Als wir nach 1 l/4 Stunden anlegen, empfängt uns ein kleiner Fischerhafen ohne nennenwer tes Flair. Des- halb beschließen wir, gleich auf dem Schiff zurückzufahren. Jede Menge Radler steigen zu, das Vordeck steht voller Draht- esel. Rudi zieht es nach innen wegen dem kalten Wind, aber ich bleibe draußen sitzen. Wieder in Schaprode angekommen, entschließen wir uns, über Gingst nach Putbus zu fahren. Um dor t noch einmal die besondere Stimmung des Park zu erle- ben. Unterwegs machen wir Halt an einem Heimatmuseum, das sehr schön ausgestattet ist. In Putbus ist Markt. Spontan kommt uns die Idee, eine Brotzeit im Park einzunehmen und wir kaufen Wurst, Brot und Bier. Dann setzen wir uns auf eine Bank unter den Säulenfragmenten am Ufer des Sees und tie- fe Stille umfängt uns. Abendstimmung breitet sich über dem See aus. Enten schwimmen herbei, die Rudi mit Brot fütter t. Wir werden an Herrenhof erinner t, an Rudis Bild „War ten auf Johannes“, das hier greifbar scheint. Später dann gehen wir noch einmal um den See, finden einen Prachtbau, der wie ein Opernhaus wirkt, aber eine Kirche ist. Früher war hier tatsächlich ein Ballsaal, wurde hier getanz t, geflir tet. Aber das war, als das Schloss noch stand, seine Blütezeit erlebte. Als krasser Gegensatz zu diesem Prachtbau kurze Zeit später eine Ruine. Zerfallene Mauern, zerbröckelnde Steine. Es ist nicht zu erkennen, welchem Zweck dieser Bau früher diente. Über- wucher t von wilden Pflanzen liegt er da. Und die ehemalige Remise, die wir kurz darauf erreichen, ist zerfallen, nur noch eine Ruine, in deren Mauerwerk sich Pflanzen und Gesträuch angesiedelt haben. Als wir zum Parkplatz zurückkehren, sehen wir eine Menge Leute dem Eingang des Theaters zustreben. Wir schauen nach, was gespielt wird und beschließen spontan, uns die Ballett-Vorführung „Von Klassik bis Pop“ anzusehen. Trotz unserer Jeans-Klamotten fallen wir überhaupt nicht auf und so genießen wir dann die Vorstellung, umgeben von viel rotem Plüsch, altem Stuck und einer Atmosphäre, die an die Zeiten C.D.F. erinner t. Ein schöner Abend, der mit einem Schlaftrunk in Rudis „Luxus-Bungalow“ endet. Morgen wollen wir einen fau- len Tag einlegen und mal richtig ausspannen.
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