Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
227 Der Künstler am Fuße des Kreidefelsen auf Rügen sind Zeugnisse seiner Zeit. Der halbverfallene Säulen-Pavil- lon, der Teich mit den Schwänen, die verfallene Remise. Dann die Orangerie. Erste Kontaktaufnahme mit der Leiterin, Frau Zillmann. Man spricht über Rudis Arbeiten, tastet vorsichtig Ausstellungs-Möglichkeiten ab. Ich spritze zurück zum Auto, hole einen Katalog. Kleine „Mini-Präsentation“. Frau Zíllman ist angetan von Rudis Arbeiten. Die Entscheidung liegt nun bei einem einheimischen Künstler, Herrn Bar tel. Wir beschlie- ßen spontan, hinzufahren. Herr Bar tel wohnt in Wesseli, total „am Ende der Welt“. Die Straßen sind nicht mehr als solche zu bezeichnen, sondern reine Holperwege. Eine faszinierende Kulisse empfängt uns: ein altes Herrenhaus, umgeben von al- ten Scheunen und Lagerhäusern. Auf unser Rufen antwor tet niemand. Also: weiter. Als nächstes eine alte Kreide-Fabrik. Auch hier zunächst keine Reaktion. Dann erscheint eine junge Frau. Wir erfahren: wir sind ganz in der Nähe. lienhaus mit „Gar ten-Bungalow“. Wir ergreifen die Flucht und fahren Richtung LIETZOW und hier entdeckt Rudi spontan an einer wunderschönen Bucht das magische Schild „Zimmer zu vermieten“ an einem Einfamilienhaus am Hang, leicht roman- tisch eingefärbt. Als wir näher kommen, ist das Schild leider komplettier t durch ein zweites „Alles besetz t.“ Unverdrossen geht es weiter. Endstation Bahndamm. Wieder ein „Gar ten- bungalow“ nebst Waschküchen-Zimmer wird offerier t, aber dankend abgelehnt. Rudi kommt die Idee, noch mal die Stra- ße hochzufahren. Bei besagtem Einfamilienhaus fehlt plötzlich das Schild „Alles besetz t“. Wir schöpfen neue Hoffnung und klingeln. HURRA. Ein Gar ten-“Bungalow“ und ein Zimmer im Haus sind unser. Anschließend fahren wir nach Puttbus. Welch ein Erlebnis! Der Park ist erfüllt mit Spuren C.D.F. und überall Weisse Felsen, bizarr aus dem türkisenen Wasser emporwachsend, schroffe Abrisse, wild überwuchert, überwachsen. Endlose Ferne, Fischerboote ziehen langsam ihre Bahn, fahren sie aus, kehren sie heim? Ewiger Wandel von kommen und gehen, von werden und vergehen. Stille umher, der Schrei der Vögel und das sanfte Rauschen des Windes in den Gipfeln der Bäume. Hauch der Zeit wird spürbar, Endlosigkeit, Einsamkeit, Suche nach dem Platz, wo die Seele Ruhe findet.
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