Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
214 lm Bereich der Bildhauerei bleibt der Künstler zwar dem Gegenständlichen verhaftet, sucht den tiefgreifenden gesell- schaftspolitischen Wandel aufgrund unserer geschichtlichen Abläufe zu erklären. Demzufolge entstehen hier bei der Fin- dung einer anderen substantiellen menschlichen Identität, der Übereinstimmung von Körper und Geist, schemenhafte Skulp- turen, die durch ihre ungewöhnliche Plastizität zu überzeugen verstehen und den Betrachter in ihren Bann ziehen. Die Moti- ve, die den Grenzgänger Rudolf L. Reiter als Maler und Philo- soph bewegen, finden sich auch in seinen Skulpturen wieder. Themen wie Metamorphose oder Transformation spiegeln seine Empfindungen wider, die jetz t sichtbar in die Skulptur einfließen und dazu beitragen, dass neue Motive entstehen. Reiters Plastiken erinnern an vergessene oder verschüttete Lebenszusammenhänge - er holt gerade als Bildhauer dank seiner metapherreichen, symbolträchtigen und besonders plastischen Bildsprache das Wissen um jene Lebenszusam- menhänge aus den Verliesen des Unterbewusstseins zurück ans Tageslicht des Geschehens. Natur und Mensch, Zivilisation und Technik, Kunst und Leben, ebenso wie Vergangenheit, Ge- genwar t und Zukunft sind für Reiter keine unvereinbarenden Größen. Er ist weder ein rückwär tsgewandter Romantiker, noch ein realitätsfremder Utopist, sondern - ganz im Gegen- teil- ein philosophischer Erzähler, der in seinen Skulpturen die Rätsel unseres Daseins zu entschlüsseln sucht. lm plastischen Werk Reiters wird das gebrochene Verhältnis der Menschen zu ihrer Wirklichkeit offenbar. Jedes einzelne Werkbeispiel enthält seine universale Weitsicht in Nuancen - als Teil eines über die kulturellen Grenzen hinausgehenden Schaffens. Prof. Franz Schilke Mysterien des Lebens - Figuren als wären sie Reiters Bildern entsprungen Rudolf L. Reiter „Ballettstunde“ Hanf, Gips, Farbe, Lack 2003 Rudolf L. Reiter „Der Bruder des Schamanen“ Hanf, Gips, Farbe, Lack 1996
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