Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

209 ten Lebensbereichen, die auch symptomatisch sind für unsere Zeit, aufbewahr t. Neugierige in einer kommenden Genera- tion, sollte es ihnen gelingen, die Kugel aufzuhebeln, werden Saatgut vorfinden, Wasser und Erde aus dem Teil des Mooses, wo jetz t der Flughafen steht. Unter entsprechend großer Me- dienbeteiligung und mit Hilfe eines Kranwagens wurde noch eine Kiste in der unteren Hälfte der Kugel versenkt, in die Rudolf L. Reiter hineingestiegen war. Ein junger Mann aus dem Publikum verewigte sich mit Erlaubnis noch mit einem Stein, den er hineinwarf. Dann ließ der Kranwagen die zweite Hälfte zentimetergenau auf den unteren Teil herunter. Auch wenn die Assoziation naheliegt: diese Kugel mit ihren zurückhalten- den Reliefs will wohl kaum auf unseren Globus anspielen. In ihr steckt wohl schon eher die Vorstellung Rudolf L. Reiters von Wiederkehr. ln ihrer Geschlossenheit, die ja nicht unab- änderlich ist, läßt sich auch Symbolik für menschliche Existenz sehen. Peter B Heim/sz Reiter entdeckt den dreidimensionalen Realraum „Es gehör t zum Wesen der Kunst, daß sie die Realität zu ge- steiger tem Ausdruck bringt und einen geheimen Sinn der Na- tur enthüllt, den zu finden oder zu erdichten dem Menschen ein uraltes Bedürfnis ist“ (H. Hesse). ln der persönlichen Kunstgeschichte des Rudolf L. Reiter findet sich der Beginn der 90er Jahre mit der Schaffung von Landschaftsinstallati- onen, Skulpturen und Plastiken eine weitere Kunstform, die seine künstlerische Arbeit um eine Dimension erweiter t. Es ist zum einen die Bereicherung im direkten Sinn, hat sich doch die Kunst des Künstlers Reiter von der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität gesteiger t. Zum anderen handelt es sich auch um eine Bereicherung im über tragenen Sinn, da das künstlerische Schaffen Reiters nun eine neue Variante bekam und um eine wesentliche eigenständige Darstellungs- form erweiter t wurde. Rudolf L. Reiter hat seiner Kunst mit der Versetzung seiner Zeichen und Figuren von der Fläche in den dreidimensionalen Realraum neue Facetten, neue Pers- pektiven und Ausdrucksformen sowie eine erweiteite Spra- che hinzugefügt. Trotz der neuen Facette in seinem Schalten bleibt Rudolf L. Reiter sich selbst treu. Die Motive, die den Grenzgänger, den Philosophen, den Menschen Reiter bewe-

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