Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
196 R. L. Reiter „Gestern waren sie noch vier...“ Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 1990 Reiter porträtiert vier Pati- enten im Park des Klinikums Haar bei München Ich entstanden diese einmaligen Werke. Ich hatte das Glück, schon sehr früh Rudolf L. Reiter kennen zu lernen. Ich be- suchte mit ihm gemeinsam die Grundschule hier in Erding. Damals beneideten wir Mitschüler schon sein sichtbares Ta- lent, außergewöhnlich zeichnen und malen zu können. Er ge- noss dabei sehr intensiv die ihm zugesprochene Anerkennung und Bewunderung. Rudolf unterschied sich allerdings in sei- nem Verhalten von uns Mitschülern: Er zeigte träumerisches Verhalten, mied weitgehend Mitschülerkontakte, fiel bereits als Sonderling auf. Er wollte jetz t schon von der Norm abwei- chen, einfach anders sein als alle anderen, wirkte bereits reifer als wir Mitschüler. Ich glaube sogar, er genoss schon damals sein abweichendes, leicht narzisstisches Verhalten mit Zufrie- denheit. Zeichnen und Malen schienen sein Lebenselixier zu sein! Erst im Jahr 1990 wurde ich wieder rein zufällig anläss- lich einer Kunstausstellung in München auf Reiter`s künstleri- sche Qualitäten aufmerksam. Ich nahm sofor t Kontakt zu ihm auf und bin seitdem Freund und Wegbegleiter. Uns verband eine immer tiefere Freundschaft, ich lernte Rudolf immer besser kennen. Unsere Freundschaft war allerdings nicht nur von Freude und Akzeptanz geprägt. Häufig musste ich mich zurücknehmen, eben geduldig sein extrover tier tes Verhalten er tragen. Plötzlich, scheinbar aus dem Nichts, „explodier te“ er, war gereiz t und agitier t, zeigte extremen Antrieb, Motiva- tion, Perfektion und Kreativität, vermehr ten Rededrang und
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