Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

195 Anlässlich des außergewöhnlichen Lebenswerkes des interna- tional bekannten Künstlers Rudolf L. Reiter möchte ich einen Exkurs zu einer sensiblen Thematik unternehmen, der aufzei- gen soll, inwieweit herausragende, von der Norm abweichen- de künstlerische Spitzenleistungen eines Individuums beson- dere Voraussetzungen erfordern. In diesem Zusammenhang denke ich an große Künstlernamen, an herausragende Per- sönlichkeiten wie beispielsweise Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso, Leonardo da Vinci, Edouard Manet, Pierre-Auguste Renoir, Albrecht Dürer und Alber t Einstein. So ist bekannt und allen gemeinsam, dass sie eine erhöhte Vulnerabilität ihrer seelischen Struktur zeigten. Es kann auch kein Zufall gewesen sein, dass der berühmte Komponist Ro- ber t Schumann, der unter bipolaren Stimmungsschwankun- gen litt, ausgerechnet in einem Zustand extrem überbetonter Hochstimmung höchste Kreativität besaß und in dieser Phase die größte Opusanzahl schaffen konnte. Veränderungen der Psyche bei einem Menschen können sicherlich einen bedeut- samen Einfluss auf das individuelle Leistungsniveau haben und zwar in positiver wie auch in negativer Hinsicht. Genialität jedoch zu erreichen, erforder t komplexere Voraussetzungen: Entsprechende genetische, neurobiologische, neurobiochemi- sche und psychosoziale Bedingungen. So können beispielswei- se neurobiochemische Veränderungen bei einem Menschen Einfluss auf die Stimmungslage, auf Gefühle, Antrieb, Energie, Motivation, Impulsivität, Kreativität, kognitive Leistung sowie neuronale Plastizität haben. Das talentier te Individuum sollte jedoch stets in seiner einmaligen Gesamtpersönlichkeit gese- hen werden. Rudolf L. Reiter gilt heute schon als einer der bedeutendsten Ver treter der romantischen Moderne und des neuen deutschen abstrakten Expressionismus. Seine genialen künstlerischen Fähigkeiten in der gegenständlichen und infor- mellen Malerei sowie im Kreieren von Skulpturen und damit seine vielseitige künstlerische Stärke sind Ausdruck seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit. Beeinflusst vom Gedan- kengut eines Rudolf Steiners, der künstlerischen Ausdrucks- weise eines Caspar David Friedrich, aber auch vom Glauben an die Wiedergebur t, Suchen nach Göttlichem, Glauben an die Ordnung in einem Kosmos und Suchen nach dem eigenen Maler Vincent van Gogh litt an Depressionen und starb am 29. Juli 1890. R. L. Reiter Kunst und Psyche

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