Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
178 28 Es darf mit Fug und Recht behauptet werden, was Duchamp und Picabia begannen, bis hin zu den sogenannten Punktbildern Polkes, hat Reiter perfektionier t und allen Anfeindungen zum Trotz auf seine Ar t – und auf recht eigenwillige Ar t – zu einer Reife gebracht, die bis heute von niemandem erreicht wurde. So spricht Reiter nicht von Punkten, sondern von Rasterpunkten, wenn er über den Einsatz von Zeitungsrepros in Bildträgern spricht. Der gelernte Schweizerdegen weiß eben, von was er spricht, denn gelernt ist gelernt, im Gegensatz zu manchen Kollegen, die zwar mit technischen Dingen hantieren und variie- ren, aber weder Wirkung noch Ergebnisse steuern können. Rudolf L. Reiters Bedeutung liegt vor allem in der Ironie im wei- testen Sinne, die durch mannigfache Verfremdung dem provo- zierenden Protest gegen das normative Kunstverständnis dient, die Aura des Kunstwerks in Frage stellt. Ohne 1968 den Begriff des Ready-made Konzeptes zu kennen, schuf Reiter von Tiefdruckvorlagen Bildfindungen, die heute ihren festen Platz in führenden Sammlungen der internationalen Kunst- museen haben. Wenn er ein banales Industrieprodukt über das Alltägliche hinaus nobilier t, dann sollten damit etablier te Seh- und Denkgewohnheiten analysier t und kritisier t werden. Reiter will über die Tradition Kunst verständlich machen, bei der der Akt des Schöpferischen in den Mittelpunkt rückt. „Lange genug haben mich die Menschen zum Teil bewusst widersprüchlich ausgelegt“ . Das Einbringen von gelenkten Zufallseffekten in den Vorgang der Bildschöpfung mit einzubeziehen ohne dabei Anfang und Ende sichtbar werden zu lassen,gelang in dieser Form nur Reiter – Max Ernst waren 1923 da noch Grenzen gesetzt. Wie ein Alchimist entdeckt Rudolf L. Reiter immer wieder neue Rezepturen. Mit Hilfe von Verdünnungsmitteln und Farben ent- stehen durch eine Kettenreaktion von technischen Zufällen teils plastische, surreale Landschaften, Strukturen aus Moosgeflecht, Wasser und Felsen. So sind Reiters Landschaftsbilder aus seinem Frühwerk Zeugnisse von Bildwelten, in denen sich die Grenzen zwischen innerer Welt und äußerer Welt aufheben. Die Grenzen sind fließend und bleiben es bis heute. Der Erfinderreichtum des Bildermachers Rudolf L. Reiter ist unter den Malern des Informellen, dem er nur mit einem Teil seines Werkes angehör t, ohne Vergleich. Prof. Dennis Wepman New York – Art Critic
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