Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
166 Andrew Wyeth: „Wind from the sea“, Tempera, 1947 Durch die technisch hochraffinier t ausgestatteten Studios pro- duzier t der Künstler gekonnt am Bildschirm über den fotome- chanischen Weg des Lichtdrucks eine Ar t digitalen Impressionis- mus. Es handelt sich dabei meist nicht um Collagen, nicht um einzelne Bildfindungen – bei Reiter ist das fer tige Foto sozusagen wie eine Grundierung der Leinwand – durch Tageslichtschreiber oder Diaprojektor über trägt Reiter die verschiedenen Schattie- rungen und Rasterpunkte auf die Leinwand. Durch das Über tragungsverfahren schleichen sich Unschärfen und Passerungenauigkeiten ein, welche zu einem gewünschten steuerbaren Stilmittel werden. So malt Reiter nicht die Wirklich- keit, sondern bereits verformte Wirklichkeit. Reiters Formen- sprache ist eine chiffrier te Zeichensprache. Er stellt nicht bloß, er umarmt nicht sondern umgarnt, er balan- cier t aus, ohne zu verletzen. Die Metaphernwelt Reiters lässt den Betrachter an den Bildwelten teilhaben, an den Geschichten, die sich hinter der Malerei an Inhalten verbergen. Exakt dies ist der Gestus des gesamten Œuvres Rudolf L. Reiters Menschenbilder. Von den frühen Viktoria-Bildern bis zu Andrew Wyeth’s Helga- Bildnissen. Reiters Formen- sprache ist eine chiffrier te Zeichen- sprache
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