Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
165 1 Lautlosigkeit dieser Bilderwelt, in der Eros und Tod im Wechsel- spiel den Kampf gegen alle und alles in einem sichtbaren Psycho- gramm enden lassen. Das Atelier und Ausstellungsraum Reiters im Herzen der Altstadt von Erding, sind vollgestellt mit manieristischen Möbeln, Gallé- Vasen, Kandelabern, Großmutters Nähmaschine nebst Schaukel- pferd, altem Schreibtisch und Kommoden, alles Deko-Material um zu verformen und neue Bildwelten zu schaffen. Meist ange- siedelt in einer vergangenen Zeit. Da räkeln sich Aktmodelle auf den napoleonischen Lehnstühlen mit gestreiften Damastbezügen, die sich auf Reiters späteren Erotikbildern wiederfinden. Die realen Modelle verwandeln sich oft zu Fabelwesen, drapier t in feuchte Leintücher, verhängte Stühle und Skulpturen werden zu Mischwesen aus Stuhl und Mensch. Reiter malt so mit der Kamera das bereits fer tige Bild – er wird zum Fotokünstler. Der kreative Vorgang findet in der Vorstufe der Bildzeichnung statt. Dor t beginnt der Schaffensprozess, dessen Fer tigstellung nur mehr einen handwerklichen, ar tistischen Akt für Reiter darstellt. Wie Andy Warhol oder heute Gerhard Richter oder Sigmar Polke, benutzt Reiter Lichtdruckfilm oder auch Rasterpunkt als Medium reproduzierbar, bei der Herstellung seiner Leinwände. Das Bildnis dieses Preußen- königs gehört zu den letzten Arbeiten von Warhol (1986) Andy Warhol (†1987) Verwandlung zu Fabelwesen, drapier t in feuchte Leintücher
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