Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

161 1 Konturen verschwim- men in diffusem Licht, Mutmaßungen und Erinnerungsfetzen narren den Betrachter, erwecken eine Ahnung vomVerinnen der Zeit Rudolf L. Reiter : „Die Dame vom Tivoli“, Öl auf Papier, 43 x 62 cm, 1977 Die Photographie ist für Rudolf L. Reiter nicht nur Gesehenes oder Ver trautes von seinen eigenen Erinnerungen, er arrangier t und inszenier t Motivik der späteren Bilder im Atelier nach. Er führ t Regie, verfremdet Modell und Raum durch Trappieren mit Stoffen und verschiedenen anderen Accessoires. Man hat fast den Eindruck, Reiter sei der philosophische Kom- mentar teils wichtiger als die malerische Ausführung. Gerade bei den frühen Papierarbeiten beeindruckt oft das Übergewicht an Poesie über die Malerei und den verschiedenen Malweisen – erst heute, fast 40 Jahre später – sind sich Sammler und Museums- kuratoren einig. Reiters Frühwerk zählt inzwischen zu den intel- lektuell eindrucksvollsten Exemplaren deutscher figurativer Malerei. Seine Bilderrätsel sind Denkspiele und oft spiegeln seine Papier- arbeiten radikal die Realität und die ungeschminkte Wirklichkeit wieder. Über Reflexion der Innenwelten, über die Mittel der magisch-poetischen Verwandlung des Alltäglichen, wird der Be- trachter in eine Scheinwelt entführ t, die oft so nur in der ver- waisten Dunkelfläche seiner Seele ihren Ausdruck findet. Bei den erotischen Blättern finden sich entrückt bleiche Akte in meistens leeren und einsam wirkenden Interieurs.Wandern oder träumen mit abwesenden Blicken sich durch kühle, irreale Seelenland- schaften bewegend – schlafwandlerisch beobachtet von leben- den oder toten Voyeuren. Die Luft scheint still zu stehen in der

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