Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

121 cher“, die trotz der Farbkälte des Bildes an Caspar David Friedrichs „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ von 1819/20 gemahnen. Dem Weltenwanderer hat Rudolf L. Reiter sogar eine dreidimensio- nale, fast reale Form verliehen, würde der sogenannte „Seelenwan- derer“ von 2001 nicht golden glänzend der letzten Realität enthoben und überhöht. Fast schon ist er eher Über-Mensch denn menschlich und fehlbar und sehr nahe dem fast zwei Meter großen „Sonnen- gott“ von 1998. Rudolf L. Reiters Liebe zu einsamen Landschaften und der Weite Norwegens offenbart, dass es sich bei den gemalten Weiten um Sehnsuchtslandschaften des Künstlers handelt. Das legt nahe, im Weltenwanderer eine Verkörperung oder eine Art Alter Ego seines Schöpfers zu sehen. Tatsächlich sieht Reiter in diesen Bildern einen Spiegel der Situation mit seinem Vater: Darin drücke sich dessen Dis- tanziertheit gegenüber dem Sohn aus, dem nichts als Kälte entgegen- schlug. Reiter selbst ist der Weltenwanderer, der nach wie vor durch die eisige Landschaft seiner Kindheit und Jugend streift und ihr nach außen das Aussehen eines real-fiktiven „Nordlands“ verleiht. Das Fehlen alles Weiblichen in diesen Bildern offenbart darüber hin- aus die Gebrochenheit des Weltenwanderers selbst: Er ist stets allein! Rudolf L. Reiter „Seelenwanderer“ Öl auf Leinwand 80 x 80 cm, 2001

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