Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom

119 Die allgemeine Betrachtung der Frau als fremdes „Andere“ ist kein künstlerisches Manko bei Reiter. Hier wird vielmehr der Mensch hin- ter der Künstler-Attitüde erkennbar. Und Reiter offenbart noch viel mehr: Er enthüllt in unzähligen Kunstwerken ein weiteres eigenes Ideal. Stolz und ungebrochen und sehr männlich durchstreift es seine Bilder und stellt sich stolz in Pose. Obwohl Reiter es nie so formuliert hat, steht seiner zarten Victoria der klar als Mann gekennzeichnete „Weltenwanderer“ gegenüber. Obwohl Victoria als Figur Knut Hamsuns Norwegen und damit dem unbestimmten „Nordland“ Reiters entstammt, sind die Victoria-Bil- der fast immer in warmen Tönen gemalt. Anders der Weltenwande- rer: Er durchstreift kühle, in Weiß und hellem Blau gehaltene Wei- ten. Interieurs, Parklandschaften, Wälder sind ihm ebenso fremd wie Sommer und Wärme. Schon das zeigt: Mann und Frau leben in der Reiter‘schen Gedankenwelt in unterschiedlichen Welten, kommen allenfalls in Liebe und Verbundenheit (vor allem der Ehe!) zusammen. Rudolf L. Reiter „Seelenwanderer“ Öl auf Leinwand 65 x 82 cm, 2001 Das Männliche im Reiter‘schen Werk

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