Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
109 Reiter begann, die Patienten in einer Vormittags- und einer Nachmittagsgruppe vorsichtig an die Malerei heranzuführen. Der informelle Stil stieß bei manchen auf Unkenntnis, Unver- ständnis oder Angst vor Überforderung. Deshalb lag ein Bild- band mit Reproduktionen von bekannten informellen Malern wie Jackson Pollock und Sam Francis zur Inspiration bereit. Anfänglich wurden nur wenige Farben, meist nur Weiß, be- nütz t, um Strukturen kennenzulernen. Tags darauf sollten mit den drei Grundfarben Blätter entstehen, die Reiter am dritten Tag zu einem großen Gesamtbild zusammenfügen und dann leicht übermalen wollte. Die zwei großen Collagen führ ten auf subtile Weise 16 verschiedene Menschen, darunter extre- me Außenseiter, zu einem neuen Ganzen und einer Gemein- schaft zusammen. Nicht jeder der Beteiligten fand es anfänglich gut, dass die Bilder durch das Zusammenfügen und teilweise Übermalen verfremdet werden sollten. Das beeindruckende Ergebnis stellte aber alle zufrieden. Reiter kommentier te das Ergebnis: „Auch wenn Du als Individuum Probleme hast, sind wir doch am Ende eine Gemeinschaft, die in einem großen Bild zusam- menfindet“ – und in einer Welt, wie Reiter heute ergänz t – und „der Einzelne muß zurücktreten hinter das Ganze; doch jeder einzelne Punkt ist ein tragendes Element des fer tigen Werkes“. 14 Reiter arbeitet mit psychisch Kranken in der Klinik Dres- den-Oberloschwitz
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