Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
101 schlug Reiter ein lautes Ja entgegen. Nun war der Künstler in Zugzwang. Also musste Hilde ran und Tapper ts Frau anrufen. Die Norweger wären so scharf auf den Schauspieler, sollte sie vermitteln, was ja stimmte. Tapper t sagte sofor t zu. Das Hamsun-Komitee lud die beiden deutschen Norwegen-Be- sucher unter anderem zur Fahr t auf einem Kutter ein, um in einem Fjord fangfrische Austern gleich an Bord zu verspeisen. Dazu wurden der Künstler und der Schauspieler mit einem Militärhubschrauber eingeflogen. Beim Einsteigen machte sich Tapper t lustig über den Maler mit der „Eskimo-Mütze“. Er selber trug eine Baseball-Kappe. Noch auf dem Wasser, in einer windstillen Bucht, kamen die Austern frisch aus dem Netz auf den Tisch. Der war weiß gedeckt. Feinstes Porzellan, Kristallglas und Kerzenleuchter schmückten den Tisch. Es gab Champagner und Kaviar. Kurzgeschichten von Knut Hamsun wurden gelesen, und sogar dessen Enkelin Regine war anwe- send. Nach dem Essen gab das Boot zur Rückfahr t richtig Gas. Der Gegenwind wurde immer heftiger. Plötzlich flog nicht nur Tapper ts Baseball-Kappe weg, sondern auch sein Toupet. Der Schauspieler verschwand sofor t unter Deck und kam nicht mehr heraus. Am nächsten Tag war wieder alles normal. Reiter revidier t seine ursprüngliche Meinung über den Schau- spieler, mit dem ihn letz tlich die Hamsun- und Norwegen-Ver- ehrung vereint hätte. Tapper t, so Reiter heute, war ein Freund, „ein lieber Kerl“, „geistreich“ und „ein hochklassiger, gebilde- ter Mensch“. Der Schauspieler und Rei- ter-Sammler Horst Tappert mit Gattin zu Besuch im Ate- lier des Künstlers im Beisein von Tochter Victoria Reiter
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