Rudolf L. Reiter - Gegen den Strom
98 Hilde und Rudolf L. Reiter Die jedes Jahr neu gewählte sogenannte Kornblumenkönigin tritt bei der Steubenparade als deren Repräsentantin in Er- scheinung. Eine dieser jungen Damen lernte Reiter kennen, dieses Mal allerdings von einer unerwar teten Seite. Der Künst- ler logier te zu diesem Zeitpunkt im Sheraton. Das könne bil- liger gehen, meinte die Schöne und lud Reiter ein, bei ihr zu wohnen, ja, gleich mit ihr mitzufahren. Trotz gewisser Zöger- lichkeit ließ sich Reiter auf die Fahr t ein. Bei ihr angekommen verschwand die Kornblumenkönigin mit einem „Mach‘s dir bequem“ ins Bad. Doch Reiter war neugierig geworden und stromer te durch die Wohnung. Als er die Schlafzimmer-Tür öffnete, erblickte er ein vollkommen mit schwarzem Plastik überzogenes Bett. Reiter verließ die Wohnung daraufhin „wie von Furien gehetz t“… Reiter und die Frauen… Frauen haben immer sein Leben be- stimmt. Zuallererst war da die melancholische Mutter Anna Reiter, von der er das Grüblerische geerbt hat, vielleicht den leichten Hang zur Depression. Näher als der Mutter muss sich Reiter der Großmutter Katharina Blumoser gefühlt haben, be- trachtet man allein schon eine Anzahl von Gemälden oder die Organisation der ihr gewidmeten Ausstellung im Jahr 2001. In der Spätpuber tät hatte der eigenwillige Reiter wenig Erfolg beim anderen Geschlecht. Das Dahinphantasieren, Blumen- schicken, Liebesbriefe-Schreiben hat letz tlich nur eine einzige Frau interessier t, und die wurde seine große, lebenslange Lie- be, die über das Grab hinaus wirkt. Rudolf Reiter wird seine Hilde immer lieben. Das ist spürbar, in jeder Äußerung über sie heraushörbar und an vielen Stellen in seinem häuslichen und künstlerischen Umfeld sichtbar. Der aufmerksame Beob- achter begegnet ihr in unzähligen über den Wohn- und Ar- beitsraum verstreuten Bildern. Die Musen mögen gekommen und gegangen sein. Reiter ver- sicher t, er hätte nie körperlichen Kontakt mit ihnen gehabt. Mit seiner Frau habe er immer wieder über das Thema Frau- en philosophier t. Dabei sei man sich einig gewesen, dass ein geistiger Ehebruch viel schlimmer sei als ein körperlicher. Das Schlimmste sei allerdings das „Nebenherwohnen“. Reiter und die Frauen
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